Kunstmuseum Solingen  Ausstellung 19.03. bis 29.05.2022:
Zukunft bedenken – Solingen lässt Mohnblumen blühen

 

von Dr. Walter Kuhn gemeinsam mit Dr. Dieter Fervers

Foto: Peter Herrmann

Walter Kuhn: Installation "Neues Leben aus den Trümmern"  2022

 

Fotos: Walter Kuhn


Foto: Gisela Elbracht-Iglhaut

Walter Kuhn:

 

Ausschnitt aus der Rede zur Vernissage am 19. März 2022

 

......ursprünglich geht diese Mohnblumensymbolik von England aus, wo man mit kleinen

 

Mohnblumen am Revers – besonders in den Novembertagen - schon seit langer Zeit dessen in

 

den Kriegen gefallener Soldaten gedenkt.

 

Ich habe dieses Symbol aufgegriffen und meinerseits ausgeweitet, um damit an alle Opfer aller

 

Kriege weltweit zu erinnern und gleichzeitig zum Frieden aufzurufen.

 

Und dieser Aufruf hat durch die furchtbaren Ereignisse in der Ukraine an schrecklicher Aktualität

 

gewonnen, und wir alle hoffen sehnlichst auf baldigen Frieden. Wir trauern um alle Opfer auf

 

ukrainischer Seite wie auch um die russischen Gefallenen, die ein unverantwortlicher

 

Machthaber in den Krieg gezwungen hat, den sie selbst und ihre Angehörigen wohl ebenso

 

wenig gewollt hätten.

 

 

D+H.

 

Zum ersten Mal habe ich mehr als 3000 dieser Mohnblumen im November 2018 gepflanzt – 100

 

Jahre nachdem der Erste Weltkrieg mit dem Waffenstillstand von Compiegne zu Ende gegangen

 

ist. Das geschah auf dem Münchner Königsplatz.

 

Sehr mit Bedacht hatte ich damals diesen großen Münchner Platz ausgewählt, denn das war

 

dort, wo Hitler bald nach der Machtergreifung militärische Paraden abgehalten hat, wo das

 

Kulturzentrum der sog. „Hauptstadt der Bewegung“ entstand und wo auch schon früh die ersten

 

Bücherverbrennungen stattgefunden haben.

 

Und es war meine Absicht, mit den Blumen an diesem ehemaligen Kultort der Nazis nicht zuletzt

 

auch all jener zu gedenken, die deren Ideologie von Antisemitismus und Rassenwahn

 

millionenfach zum Opfer gefallen sind.

 

So verstand und verstehe ich meine Blumen immer auch als Mahnblumen mit der dringenden

 

Aufforderung, sich dafür einzusetzen, dass so etwas

 

 

n i e m a l s   w i e d e r   g e s c h i e h t.

 

 

Und dass das einer dauerhaften Anstrengung in unserer Gesellschaft bedarf, zeigen Putins

 

Überfall auf die Ukraine ebenso wie auch die zahlreichen und zunehmenden rassistischen und

 

terroristischen Anschläge in unserem Land, von denen leider ja auch Solingen in der

 

Vergangenheit nicht verschont geblieben ist.
 

D+H

 

ganz bewusst haben wir für diese Kunstinstallation deshalb auch einen Termin innerhalb der

 

Internationalen Wochen gegen Rassismus festgesetzt, dessen aktuelles Motto diese

 

Aufforderung treffend unterstreicht.

 

Das Motto heißt H a l t u n g   z e i g e n

 

Und Haltung zeigen, das bedeutet,

 

- solidarisch zu sein mit den Menschen, die von Kriegen, von Rassismus,

 

Antisemitismus, Islamismus und anderen menschenfeindlichen Aktionen und

 

Einstellungen betroffen sind.

 

- Haltung zeigen heißt, sich aktiv für ein gewaltfreies Miteinander und gegenseitigen

 

Respekt einzusetzen.

 

- Haltung zeigen, das heißt auch, immer wieder Diskriminierungen in Bezug auf

 

Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, soziale Lage oder sexuelle Identität

 

aktiv zu widersprechen

 

 ….. und das geht schon damit an, sich für gleiche Chancen und Gerechtigkeit bei der Bewerbung

 

für einen Job und dessen Bezahlung, der Bewerbung für eine Wohnung und beim Zugang zu

 

Bildung etc. einzusetzen. 

 

- und schließlich bedeutet Haltung zeigen, die Freiheit, Würde und Rechte aller Menschen

 

gleichermaßen zu achten und aktiv zu beschützen, wie es ja auch unser Grundgesetz

 

vorschreibt.

 

Auch wenn wir vielleicht nicht persönlich betroffen sind - wir müssen uns alle einmischen und

 

aktiv werden gegen Krieg und Rassismus. Und wir müssen dabei insbesondere auch solchen

 

Politikern und Medien die Stirn bieten, die durch rassistische Äußerungen und ihre Verbreitung

 

selbst zu einem Klima beitragen, das Anschläge von Solingen über München bis Hanau und

 

Halle und an vielen anderen Orten befördert.

 

 

D+H.

 

Mit Sorge ist zu beobachten, dass seit Beginn der Pandemie rassistische Zuschreibungen und

 

antisemitische Welt- und Feindbilder unter dem Label der „Querdenker“ und der freien

 

Meinungsäußerung immer unverblümter und aggressiver auftreten …. sowohl auf der Straße als

 

auch im Netz.

 

Solche Auftritte gefährden den demokratischen Grundkonsens unserer Gesellschaft, und deshalb

 

dürfen wir diesen Gruppen die Bühne nicht alleine überlassen.

 

 

Auch da kommt es auf jede und jeden Einzelnen von uns an, …… Zivilcourage und Haltung zu

 

zeigen.

 

.. und auch meine Mahnblumen mit der Aufforderung „Never Forget – Never Again“ sollen ein

 

kleiner künstlerischer Beitrag dazu sein.

 

Vielen Dank !