Am 11. November 2018 jährt sich der Tag des Waffenstillstandsvertrags von Compiègne und damit das Ende des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass wird der Münchner Aktionskünstler Walter Kuhn den Königsplatz in ein Meer von mehreren Tausend  großen roten Mohnblumen aus Kunstseide verwandeln und damit  zum Gedenken an die Millionen Soldaten und zivilen Opfer aller Kriege anregen, deren internationales - vor allem aber im englischsprachigen Raum verbreitetes -  Symbol die Mohnblumen sind.

 

Außerdem soll in Bezug zu den Blumen und als künstlerischer Kontrapunkt zu der rot dominierten Fläche der Rasenstücke auf dem Halbrund vor der Glyptothek ein großer, schwarzer  Hohlkörper, bestehend aus mehreren verkleideten Baucontainern  aufgestellt werden. An dessen Außenwänden  soll in großen Lettern der Aufruf  "NIE WIEDER",  „NEVER AGAIN“ , PLUS JAMAIS" bzw. "никогда" (in den Sprachen der am ersten Weltkrieg beteiligten Parteien) zu lesen sein.

Das Innere dieses Raumes wird begehbar sein, und man kann dort während der ganzen Zeit der Aktion aus kleinen Lautsprechern Lesungen gegen den Krieg zuhören.

Texte von Erich-Maria Remarque, Heinrich Böll, Bertolt Brecht, Wolfgang Borchert. Käthe Kollwitz,  Kurt Tucholsky, Konstantin Wecker, Stefan Zweig  u.a. sollen dort in immer wieder kehrender Folge zitiert werden. 

Die Bedeutung der Blumen

Mohnblumen gelten weltweit - vor allem aber in den englischsprachigen Ländern - als ein Symbol des Gedenkens an die zahl- und namenlosen Gefallenen und Kriegsopfer der beiden Weltkriege.  

 

Als Pionierpflanze hat sich der Klatschmohn oft sehr schnell auf den frischen Grabhügeln angesiedelt.

 

Besonders das bekannte „Mohnblütengedicht  „In Flanders Fields“ von John McCrae aus dem Jahr 1915 hat diese symbolische Verwendung befördert (….wenn auch der Text im Detail aus der Zeit seiner Entstehung verstanden werden muss).

 

Der Blütenteppich von im Wind sich wiegenden, roten Mohnblumen, in den oft grauen Tagen des Monats der Trauer,  soll deshalb nicht nur als Kunstwerk, sondern auch als eine Geste verstanden werden, zum hundertsten Jahrestag an das Ende des Ersten Weltkrieges und all sein Leid zu erinnern und zum Frieden zu mahnen.

 

Warum der Königsplatz als Standort für diese Aktion besonders geeignet und notwendig erscheint

Neben vielen positiven Assoziationen, die mit dem Namen Münchens zu Recht in Verbindung gebracht werden, ist das Image der Stadt noch immer auch durch ihre Rolle als ehemalige „Hauptstadt der Bewegung“ während der Zeit des Nationalsozialismus belastet.

 

Zu dieser Zeit wurde der durch Karl von Fischer und Leo von Klenze im 19. Jh. konzipierte „königliche Platz“, mit Entfernung des Grüns und Verlegung von Granitplatten, in einen Paradeplatz umgewandelt und zu nationalsozialistischer Machtdemonstration mit tausenden von Soldaten genutzt

 

 Aus einer solchen Geschichte heraus, erscheint gerade dieser Standort besonders geeignet zu sein, aller unschuldigen Opfer dieser Politik – im eigenen Land wie international – zu gedenken.  Und wenn dort, wo Hitlers Soldaten paradierten, nun große Mohnblumen deren Platz einnehmen, so ist mit dieser Adaption des Symboles eines ehemaligen Kriegsgegners gleichzeitig die Bitte um Vergebung und Versöhnung verbunden. 

 

 


Schlussbemerkung zur Konzeptualisierung

Das Projekt auf dem Königsplatz soll zwar ästhetisch spektakulär sein. 

Daneben will es aber vor allem als Mahnung und Aufforderung zum Frieden in unserer aktuellen Zeit dienen und auch gegen die Schrecken aller heutigen Kriege  bzw. deren Verantwortliche in Syrien, Afghanistan und überall sonst auf der Welt protestieren.

 

Und schließlich soll die Aktion auch als eine stille Demonstration verstanden werden gegen die noch immer stattfindenden Heldengedenkfeiern rechtslastiger Traditionsverbände mit militärischem Gepränge und klingendem Spiel .

 

Gerade in einer Zeit zunehmender globaler Aufrüstung und wieder aufkeimenden revanchistischen Gedankenguts – bis hin zu Nazi-Ideologie in der Bundeswehr – ist eine ästhetische Intervention mit klarer Ausrichtung mehr als nötig.

München kann mit dieser Aktion ein Zeichen setzen.